20. Seniorenwochenende und 2 neue Turnierpaare

 

Und noch einmal die 44, bitte…

Was sich ein wenig anhörte, wie die Bestellung in einem chinesischen Schnellimbiss, war in Wirklichkeit der Ausdruck einer langsam aufsteigenden Unkonzentriertheit bei der offenen Wertung eines Turniers beim halleschen Seniorenwochenende. Nach einem kleinen Teilnehmertief im letzten Jahr konnte der TC Schwarz-Silber nämlich wieder steigende Teilnehmerzahlen vermelden - und so gab es auch für die Wertungsrichter in diesem Jahr deutlich mehr zu tun.
 

"Herzlich willkommen zum 20. Seniorenwochenende des Tanzclubs", konnte Turnierleiter Hermann Sembdner die Paare und Zuschauer bei der Eröffnung des Turnierwochenendes begrüßen. Einigen Helfern des Vereins stand das Erstaunen ins Gesicht geschrieben: 20 Jahre, so lange machen wir das schon? Dass sich die Veranstaltung am zweiten Juniwochenende etabliert hat, freut den Tanzclub Schwarz-Silber sehr. Trotz des hart umkämpften Wochenendes in Halle (zur gleichen Zeit finden die Händelfestspiele statt, was das Finden einer Unterkunft für Turnierpaare sehr erschwert), des üblicherweise fantastischen Wetters (30°C im Saal und außerhalb) und der immer größeren Anzahl an Seniorenturnieren, musste noch nie ein Seniorenwochenende abgesagt werden. Damit ist es die konstanteste Veranstaltung im halleschen Vereinsheim.

Seit mehreren Jahren findet parallel zum halleschen Seniorenwochenende am Samstag in Aachen ein Ranglistenturnier der Sen II S statt. Natürlich hat man seitdem die Entwicklung der S-Klassen-Turniere in Halle im Auge. Die Sen III S findet an beiden Tagen in Halle statt, ein offenes Turnier der Sen II S am Sonntag. Es ist schön, dass die Startzahlen - besonders in der Sen II S - konstant bleiben. Dass Tänzer einfach verrückt sind, bewiesen Thomas Horn/Rosita Boose, die nach der Ranglistenteilnahme am Samstag die Turniere der Sen III und II in Halle tanzten und mit einem Sieg in der Sen III S belohnt wurden. Gut, könnte man meinen, die beiden kommen ja auch vom halleschen Tanzclub, sie mussten den Weg ja sowieso auf sich nehmen. Aber auch Norbert Jäger/Christine Jäger-Eberhardt (TSZ Blau-Gold Berlin) standen am Sonntag in Halle auf der Tanzfläche - nachdem sie am Vortag in Aachen im Ranglistenturnier Platz neun belegten. Auch sie wurden für ihr Engagement belohnt und gewannen das Turnier der Sen II S vor Peter Birndorfer/Christina Pothfelder (TSA d. TSV Unterhaching) und Ulrich Spanka/Jekaterina Figul (TC Schwarz-Silber Halle).

Turnierablauf und Organisation sind mittlerweile so gut eingespielt, dass es kaum etwas darüber zu berichten gibt. Ein erheiternder Moment war das Aufrufen der offenen Wertung im Turnier der Senioren II C Standard. Irgendetwas wollte da bei der verbalen Übertragung der Zahlen vom Wertungszettel in den Computer einfach nicht klappen. Jan Geidel/Andrea Biegler-König ("die 44") durften ihre Wertung in einem Tanz gar vier Mal entgegen nehmen, weil sie einfach nicht zu den Wertungen der anderen Paare passen wollte. Das Ganze wurde von Beisitzer Dr. Lutz Grüber spaßig kommentiert: "Die 44 hatten wir gerade schon zweimal, da können wir uns die Wertung auch noch einmal anhören." Kaum dachte man, jetzt stimmt die Wertung endlich ("Und nun die Wertung für das Paar mit der Nummer 48."), durfte die 44 doch noch einmal ran. Nach vier Anläufen stimmten Wertungsrichterzettel, hochgehaltene Tafeln und die in den Computer eingetragenen Zahlen endlich überein. Nach diesem Finale war es Zeit für eine kleine Erholungspause für alle.

Das Schöne am Seniorenwochenende ist die familiäre Atmosphäre. Jeder kennt jeden, alle Paare werden begeistert beklatscht und angefeuert, und wenn man sein Turnier hinter sich hat und der Magen knurrt, kann man sich draußen am Grill stärken und über das Wetter, das letzte Training oder gar über das eben getanzte Turnier unterhalten. Und manchmal kehren auch ein paar "verschollene Kinder" nach Halle zurück. Im letzten Jahr war die Freude groß, Katrin Ryborz, die viele Jahre im Tanzclub trainiert hat und dann wegzog, im Turnier der Senioren II A begrüßen zu können. In diesem Jahr freute sich der Verein wieder über ehemalige Vereinsmitglieder auf dem Parkett. Souveräne Sieger der Sen I B Standard an beiden Tagen waren Kay Senger/Mareike Kuhrmann (TTK Am Bürgerpark Berlin). Kay Senger war als Jugendlicher Turniertänzer in Halle und kehrte, nun wohnhaft in Berlin, aufs Turnierparkett und zum Turnier nach Halle zurück. Natürlich mussten da Fotos gemacht werden. Einen längeren Weg in die „alte Heimat“ hatte Ingo Bauer. In der Senioren II B Standard fielen er und seine Partnerin Sandra Fürsattel nicht nur durch ihr Tanzen auf. Das Paar vom TSC Rot-Gold Casino Nürnberg belegte unangefochten den ersten Platz. Doch das Gesicht kannte man doch irgendwo her! Tatsächlich stellte sich auf Nachfrage heraus, dass Ingo Ende der 70er Jahre als Schüler in Halle wohnte und im TC Schwarz-Silber tanzte: "Na klar, den Frösi-Pokal." Dieser Frösi-Pokal wurde damals in Halle aus der Taufe gehoben und avancierte zu einer Art DDR-Schülermeisterschaft. Mit seiner damaligen Partnerin Sybille Gubsch konnte Ingo den zweiten Frösi-Pokal im Jahr 1976 in Schwedt, in der Schüler B gewinnen. Solche überraschenden Wiedersehen machen das Seniorenwochenende immer wieder sehr besonders.

Für Aufregung im positivsten Sinne sorgten jedoch noch zwei ganz andere hallesche Paare: Helmut Friedrich/Cornelia Zausch und Quoc An Lam/Ti Phuong Loan Bui versetzen die Helfer am Flächenrand und hinter der Theke, mit großer Mehrheit Freizeittänzer des Vereins, in Spannung. Beide Paare wagten sich aus dem Freizeittanzen heraus zum ersten Mal aufs Turnierparkett. Die gedrückten Daumen abseits der Fläche konnte man gar nicht zählen. Die Anspannung war groß und der Puls raste. Beide Paare stellten sich in der Sen II D Standard und I D Latein der Turniersituation und dem Wertungsgericht. Von Tanz zu Tanz wurden sie sicherer und erreichten sogar das Finale. Während ihre Vereinskameraden, Jörg Sonntag/Heike Bergmann, deutlich mehr Routine zeigten und die Sen II D gewannen, waren Lam/Bui und Friedrich/Zausch auf den Plätzen Vier und Fünf jedoch vor allem eins: Einfach nur froh, das allererste Tanzturnier ihres Lebens hinter sich gebracht zu haben.

Tanzen ist ein sehr emotionaler Sport. Turnierleiter Herrmann Sembdner wies mit einer bunten Sammlung an Sprüchen zum Tanzen das gesamte Wochenende über mal ernst, mal sehr amüsant, darauf hin. Denn Tanzen ist nicht nur "Träumen mit den Füßen" oder "der vertikale Ausdruck eines horizontalen Verlangens". Tanzen ist eben auch einer der schönsten Formen der Kommunikation und des menschlichen Zusammenseins.

Jette Schimmel